Donnerstag, 27. Juni 2013

Bewässerungssysteme im Test - Gießroboter Teil 4

Ein Bewässerungssystem für den Balkon im Urlaub?  Es ist gar nicht so leicht eins zu finden, das auch über den Zeitraum von zwei Wochen funktionieren könnte. Drei Bewässerungssysteme sind bei mir in den letzten vier Tagen gegeneinander angetreten und hier ist die Auswertung.

1. PET-Flaschen-Aufsätze aus porösem Ton,
2. Blumatkegel mit Tank und
3. Ein selbstgebautes Bewässerungssystem mit Faden bzw. Wolle (ich nenne es kurz das "Omasystem", da es auch früher schon benutzt wurde als es noch keine PET-Flaschen gab).

 

 




PET-Kegel aus porösem Ton

Urlaubsbewässerung Balkon

Funktion
Es handelt sich um Tonkegel, die auf eine PET-Flasche geschraubt werden. Die Kegel gibt es in verschiedenen Durchlässigkeitsstufen. Die Poren im Ton regulieren den Fluss des Wassers, wobei auch hier der Hersteller nicht genau sagen kann wie lange z.B. eine 2l Flasche hält, da die herrschenden Umweltbedingungen (Konsistenz des Bodens, Temperatur, Sonneneinstrahlung, Wind) Auswirkungen auf die Wasserabgabe der Tonspitze haben können. Die Herstellerangaben sind nur Richtwerte. 

Montage
Die Montage ist denkbar einfach. PET-Flasche füllen, Tonkegel darauf schrauben, ein Loch in den Boden der Flasche stechen, kopfüber in den Topf stecken und fertig! Man sollte darauf achten, dass die Flaschen wirklich fest aufgeschraubt sind und evtl. den Kunststoffring des PET-Flaschen-Deckels entfernen. 

Kosten für 12 Pflanzen

12 PET-Flaschenaufsätze á 2,00 Euro
12 PET-Flaschen (sind quasi geliehen, kosten nix)
_______________________________
24,00 Euro

Fazit
Die PET-Flaschenbewässerung ist eine spontane und schnell zu installierende Bewässerungslösung für Kübelpflanzen. Man muss die Kübel nicht großartig verrücken, was auch Zeit spart. Eine 2l-Flasche reicht maximal für eine Woche. Eine 5l Flasche wäre für zwei Wochen geeignet - 5l Flaschen im normalen Handel zu bekommen ist aber recht schwer. Deshalb handelt es sich bei den PET-Flaschenaufsätzen um ein Bewässerungssystem für einen kurzen Zeitraum (z.B. verlängertes Wochenende, eine Woche). Von allen drei von mir getesteten Systemen ist es das mittelteure System. Rechnet man die Kosten aber auf 48 Kübel hoch sind es 96 Euro. Hinzu kommt, dass 48 PET-Flaschen viel Platz brauchen und man erst einmal so viele Flaschen heranschleppen muss. Für die Bewässerung von 2 Wochen ist das System für mich nicht geeignet. 

Kurz und knackig

PET-Flaschenaufsätze sind aufgrund ihrer Flexibilität und der schnellen Montage ohne Umräumen für eine Bewässerung über ein verlängertes Wochenende zu empfehlen, nicht aber für eine Urlaubsbewässerung über zwei Wochen.



 

 

Blumat



Funktion 
Der Blumat ist ein Tonkegel, der in die Erde gesteckt wird. Dieser Kegel wird durch einen Schlauch mit Wasser aus einem Tank versorgt und gießt so die Pflanze.

Montage
Die Montage der Blumatkegel ist im Gegensatz zu den PET-Flaschenaufsätzen schon ein bisschen aufwändiger. Beachtet werden sollte, dass die Pflanzen entweder um einen großen Tank herumstehen müssen (wie in meinem Fall) oder jeweils einen kleinen Tank brauchen, der neben dem Kübel stehen kann. Umräumarbeiten sind also nötig. Die Installation selbst ist wiederum einfach: Tonkegel mit Wasser füllen, Deckel drauf, in die Erde stecken, Schlauch in den Tank, fertig! Leider dreht sich der Schlauch bei mir sehr. Ich brauche noch Steine, um den Schlauch auf dem Boden des Tankes zu fixieren. Der Schlauch rollt sich hoch.

Kosten für 12 Pflanzen
1 Blumat kostet 2,99 Euro - 12 Stück = 35,88 Euro
1 Kiste als Tank 45 l kostet 6,95 Euro =  6,95 Euro
____________________________
42,38 Euro

Fazit
Das Blumatsystem erfordert mehr Umräumarbeiten. Dadurch, dass man sich individuell für eine Größe des Tankes entscheidet, (d.h. man kann auch einen 50l-Tank anschließen oder einen 100l-Tank) können die Pflanzen auch 4-5 Wochen bewässert werden. Das System ist allerdings auch sehr teuer. Rechnet man sich die Kosten für 48 Kübel aus ist man bei 169 Euro. Dafür ist das System aber platzsparender als das PET-System. Die großen Tanks kann man auch anderweitig verwenden und die Spitzen lassen sich einrollen und gut verstauen.

Kurz und knackig
Das System ist teuer, aufwändiger, funktioniert aber auch auf Dauer. Genug Platz, um die Pflanzen um einen großen Tank zu drappieren oder jeder Pflanze einen eigenen Tank zuzuordnen sollte man dabei zur Verfügung haben.

 

 

 

Bewässerung durch Fäden - die "Omamethode"




Funktion
Nasse Fäden saugen das Wasser von einem Tank in die Kübel. Dabei dürfen diese nicht austrocknen, weil sonst die Wasserzufuhr unterbrochen wird.

Montage
Ich habe mich dafür entschieden die Austrocknung der Fäden durch Aquarienschläuche zu unterbinden. Die nassen Fäden habe ich mit einem Schaschlikspieß durch die Schläuche geführt. Zahnstocher halten die Schläuche dann an ihrem zugewiesenen Platz im Kübel. Die Schläuche habe ich einfach auf sie drauf gesteckt. Dieses System zu basteln ist recht aufwändig. Beachtet werden sollte, dass nicht alle Fäden gleich gut Wasser leiten. Sie sind aus unterschiedlichen Materialien gesponnen (Baumwolle, Acryl, Nylon, Seide usw.) und auch die Fadenstruktur ist unterschiedlich. Ein Test der Fäden empfiehlt sich daher vorab: Ich habe in Gläsern die Saugwirkung der Fäden getestet (siehe Foto). Der türkise, dicke, sehr dicht gesponnene Faden (halb Baumwolle, halb Acryl) hat bei mir gegen den pinken Faden (100% Baumwolle, Topflappengarn) gewonnen. Deshalb habe ich diesen für die Bewässerung verwendet.

Kosten für 12 Pflanzen
Baumwollschnur 1,95 Euro =1,95 Euro
Kunststoffkiste als Tank 45l 6,95 Euro= 6,95 Euro
4m Schlauch für Schnur 5,30 Euro = 5,30 Euro
_____________________________
14,20 Euro

Fazit
Damit dieses Bewässerungssystem funktioniert, muss man ein bisschen tüfteln und umbauen. Ich finde, dass es besonders gut für die kleinen Töpfe geeignet ist, weil man beliebig viel Faden legen kann. Zudem ist es das günstigste System. Der Faden muss gut Wasser leiten können und er darf nicht austrocknen, das ist das Wichtigste.

Kurz und knackig
Bei dem Fadensystem handelt es sich um das unsicherste System, das für Bastler geeignet ist. Man muss also nicht viel Geld ausgeben, um sich ein Bewässerungssystem für den Balkon zuzulegen. Funktionieren tut es bei mir bisher tadellos.


Testsieger

Für mich haben das Fadensystem und das Blumatsystem in der Kombination gewonnen. Den Blumat werde ich in Zukunft für große Pflanzen nehmen, bei denen ich sicher gehen möchte, dass sie gut versorgt sind. Das Fadensystem kommt für meine kleinen Töpfe in Frage.



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Montag, 24. Juni 2013

Mein Plan - Gießroboter Teil 3


Zu folgendem Plan bin ich nun gelangt - 42 Töpfe müssen insgesamt bewässert werden:

Orange
Die Blumenkästen in der Sonne sollen mit dem Tropfblumat ausgestattet werden.

Blau
Hier werde ich PET-Flaschenaufsätze aus porösem Ton ausprobieren. Die Pflanzen stehen entweder im Schatten oder sind Geringverbraucher. 2 l dürften pro Pflanze für zwei Wochen reichen.

Grün
Die alte Methode der Omas reizt mich. Hier wird das Schnursystem ausprobiert. Ich möchte die Schnur aber durch Aquariumschlauch legen, damit sie auf keinen Fall austrocknet. Das System wird an der einen oder anderen Stelle noch durch PET-Flaschen unterstützt.


Soweit die Theorie...jetzt kommt die Praxis!


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Ich war gestern auf der Internationalen Gartenschau in Hamburg und auch da hatten sie Bewässerungssysteme - im Grunde genommen ist die ganze IGS ein einziges Bewässerungssystem. Überall schauten Wasserhähne aus dem Boden und die Pflanzen waren mit Schläuchen verkabelt und verknotet. Das ist gärtnerisch professionell ausgefeilt aber für den Balkon eher nicht machbar. Trotdem habe ich drei Bewässerungssysteme entdeckt, die ich wirklich interessant finde.



Dies hier ist ein Flaschenaufsatz, der auf eine PET-Flasche geschraubt wird und so viele Tropfen abgibt, wie man einstellt. Die Flasche wurde mithilfe eines Seils am Blumentopf befestigt und tropft in den Untersetzer. Die Pflanze holt sich dann selber die gewünschte Menge an Wasser.






Auch dieses System besteht aus PET-Flaschen. Die Flaschen wurden zur Hälfte geteilt. Der Flaschenhals wurde über Kopf in das untere Teil der Flasche gesteckt und alles durch Kunststoffschläuchen aus dem Aquariumbedarf miteinander verbunden. Der Wasserpegel gleicht sich in allen Töpfen aus, vorausgesetzt die Schläuche sind mit Wasser gefüllt.









Das ungewöhnlichste Bewässerungssystem war aber dieses hier. Erdbeeren in der Fruchtbatterie. Es erinnert an Züchtungen im Labor, könnte aber auch vom Raumschiff Enterprise stammen. Ein Science-Fiction-Bewässerungssystem, das trotz der futuristischen Anmutung an einen ganz normalen Wasserhahn angeschlossen ist.





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Samstag, 22. Juni 2013

Überblick Bewässerungssysteme - Gießroboter Teil 1

Oh je! 2 Wochen müssen es die Pflanzen bald ohne mich aushalten. Meine Persönlichkeit werden sie in dieser Zeit garantiert nicht vermissen aber die gießende Hand, die ihnen allabendlich etwas zu trinken gibt.

Ich brauche eine Maschine, die mich ersetzt - eine Art Gießroboter!

Da gibt es was. Ziemlich viel sogar. Denn auch andere Menschen haben dieses Bedürfnis nach Gießrobotern. Um ein wenig Licht in den Dschungel der Möglichkeiten zu bringen, habe ich eine Liste gemacht, die vielleicht die ein oder andere neue Idee bringt.

 

 

 

Selbstgebaute Bewässerungssysteme


1. Die PET-Flasche mit Löchern im Deckel (Balkon-Oase): Die PET-Flaschen sind zwar günstig und schnell vor dem Urlaub noch zu installieren. Die Bewässerung ist aber eher unzuverlässig und auch nur für wenige Tage geeignet. Aufgrund der Erfahrungen in Foren, würde ich sagen: Besser als nix. Kann funktionieren aber auch in die Hose gehen.

2. Tank und Bindfaden (Balkon-Oase): Das ist ein System, das günstig ist. Wichtig ist, dass die Töpfe eng zusammenstehen, so dass die Fäden nicht austrocknen (z.B. in einer Kreisanordnung um den höher stehenden Tank herum). Auch in der prallen Sonne ist das System nicht möglich. Die Omas schwören wohl darauf - es gab eben auch eine Zeit vor der guten PET-Flasche und vor Blumat und Gardena.  

3. Kreative Einzellösungen: Ich habe von einem gelesen, der Infusionssysteme aus dem Krankenhaus nimmt, d.h. einen Tropf für Pflanzen gebaut hat. Es gibt auch Bastler, die mit Rohren, Wassertanks, Schläuchen, Pumpen und Zeitschaltuhren experimentieren oder sie bauen sich gleich einen Topf mit Wasserreservoir, wie der gute Herr hier.

 

Verdunstungsschutz auf der Erde


1. Rindenmulch, Dekomulch, Blähschiefer, Muscheln oder Kies eignen sich als Abdeckung der Erde (Pflanzen Kölle, Zusammenfassung auf der zweiten Seite!)

2. Pflanzenflies- auch dies ist möglich, wenn man es gerade da hat. Die Variante mit Rindenmulch ist aber flexibler. Flies muss zugeschnitten werden, Rindenmulch streut man einfach auf die Erde - fertig! 

3. Pflanzen als Verdunstungsschutz -Auch dies geht. So habe ich eine polsterartige Thymiansorten zu der Paprika und den Tomaten gepflanzt. Ohne diesen Thymian musste ich mehr gießen. Die Verdunstung über die Erdoberfläche ist nicht zu unterschätzen und der Thymian verbraucht anscheinend weniger als vorher verdunstet ist.

 

 

 

 

 

 

 

Bewässerungssysteme kaufen 

 

1. PET-Flaschenaufsätze (Biobalkon hat verschiedene getestet): Man schraubt einfach einen Aufsatz auf eine PET-Flasche und dieser Aufsatz regelt die Wasserzufuhr. Die Bewässerungsspitzen aus porösem Ton sind nach Biobalkon besser als die aus Kunststoff und können bis zu 10 Tage die Pflanze bewässern.

2. Bewässerungssystem von Blumat: Blumat vertreibt zwei verschiedene Systeme.
a) Der Blumat. Dies ist ein poröser Tonkegel, ähnlich dem PET-Flaschenaufsatz (siehe links). Der Unterschied ist, dass durch einen Schlauch ein richtiger Wassertank daran angeschlossen werden kann.
b) Es gibt den Tropfblumat. Dies ist schon ein richtiges System, dass mit einem Schlauch, einem Reservoir und kleinen Wasserspendern ausgerüstet ist. Diese Wasserspender fühlen, wie viel Wasser die Pflanze braucht und versorgen sie dann damit.

3. Gardena Urlaubsbewässerung (hier): Ein sehr flexibles System, das mit einer Zeitschaltuhr funktioniert und einmal am Tag gießt. Es kann an einen Tank oder an einen Wasserhahn angeschlossen werden. Man braucht anscheinend viel teuren Schlauch. Es ist aber auch sehr zuverlässig.


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So sieht es also aus...

...wenn Erbsen Händchen halten!

Donnerstag, 20. Juni 2013

Die Klonarmee - Pflanzenvermehrung durch Stecklinge

Einige Pflanzen kann man durch Klonen vermehren. Dazu schneidet man ihnen ein Arm oder Bein ab, steckt es in die Erde und es wächst eine neue Pflanze, die genetisch identisch ist. Das nennt man vegetative Vermehrung. Zeitlicher und materieller Aufwand hält sich in Grenzen. Alles was man braucht ist die gesunde Mutterpflanze, ein scharfes Messer, kleine Töpfe, gesammelte Marmeladengläser und (wenn möglich) Anzuchterde.

Weil ich meine Erdbeerminze (Foto links) verschenken möchte ohne meine Pflanze weg zu geben, habe ich mich in letzter Zeit eingelesen und es ausprobiert. Das hat sich gelohnt, denn die Stecklinge wachsen an. Zu Ehren der Stecklinge also dieser Post.

Minze vermehren 
Für welche Pflanzen eignet sich die Stecklingsmethode?

Besonders Kräuter lassen sich damit gut vermehren. In vielen Büchern wird geraten Rosmarin auf diese Weise zu überwintern. Da Lavendel zweijährig ist, braucht man durch das Stecken im dritten Jahr keine neuen Pflanzen kaufen. Auch Estragon, Salbei, Strauch-Basilikum und Zitronenverbene klont man damit gut. Es lohnt sich bei Pflanzen, von denen man nur schwer Saatgut bekommt (z.B. sämtliche Minzsorten) und deren junge Pflanzen sehr teuer und selten sind. Eine neue Erdbeerminze kostet mit Versand 8,90 Euro. Die Vermehrung hingegen ist kostenlos.

Die Stecklingsvermehrung wird bei Obstgehölzen (Steckhölzer) und Beerensträuchern (Grünstecklinge) angewandt. Auch bei Perlargonien, also Geranien, soll es funktionieren. Habt ihr erfolgreich noch andere Arten stecklingsvermehrt? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!

 


 

 

 

 

 

 

Wie geht das?

 

Man braucht die gesunde Mutterpflanze, ein scharfes Messer, kleine Töpfe, gesammelte Marmeladengläser und (wenn möglich) Anzuchterde. Ich beziehe mich hier auf das Buch "Selbstversorgergarten" von Elke von Radziewsky (übrigens ein ganz wunderbares Buch!).



Messer
1. Scharf abschneiden
Dazu ist das Messer gut (bei mir ist es ein altes Küchenmesser). Eine Schere quetscht den Stängel eher ein, so dass er nur wenig Wasser aufnehmen kann. Bei Kräutern wendet man die  Kopfstecklingsvermehrung an. Das bedeutet, dass man das Obere eines jungen, gesunden Triebes nimmt, der keine Blüte trägt.

2. Verdunstungsfläche reduzieren
Pflanzen vermehrenDie Pflanze kann am Anfang wenig Wasser durch den Stängel aufnehmen. Sie besitzt ja noch keine Wurzeln. Deshalb müssen so viele Blätter wie möglich abgeschnitten werden, damit die Pflanze kein Wasser über die Blattoberfläche verliert. Die obersten Blätter der jungen Triebe werden stehen gelassen.

3. Hungern lassen
MinzeWenn die Pflanzen wenig Nährstoffe in der Erde vorfinden, wie z.B. bei einer guten Anzuchterde, wollen sie so schnell wie möglich viele Wurzeln bilden. Deshalb ist eine nährstoffarme Erde zur Anzucht gut geeignet. Man kann sie kaufen oder sich mit normaler Blumenerde und Sand eigene Anzuchterde herstellen. Mit purer normaler Blumenerde dauert es länger, funktioniert aber auch. Meine Stecklinge sind der Beweis.

4. Die Pflanze schön tief stecken
Empfohlen wird eine Stecktiefe von 2-3 cm. Mit dem Bleistift, dem Finger oder dem Pikierholz wird ein Loch gebohrt, in das der Steckling versenkt wird. Wenn der Stängel schön tief ist, kann er auch viele Wurzeln bilden.

5. Gespannte Luft herstellen
Die Verdunstungsfläche haben wir schon durch das Abtrennen der Blätter reduziert. Nun
kann man der Pflanze noch helfen, indem wir gewächshausartige Zustände herstellen. Das geht ganz einfach mit einem Marmeladenglas, das man über den Steckling stülpt. Vorsicht: Der Steckling sollte das Marmeladenglas nicht berühren und es muss auch ab und zu gelüftet werden, damit kein Schimmel entsteht. Pralle Sonne ist zudem eher schädlich - Verbrennungsgefahr.

Um zu wissen, ob es geklappt hat, besser nicht an ihm herumzuppeln sondern einfach die Blätter betrachten: Wenn sich ein neues Blattpaar gebildet hat kann man von neuen Wurzeln ausgehen. Wie andere kleine Pflänzchen auch, kann der Steckling nun weiterwachsen und bei Gelegenheit in nährstoffreiche Erde gesetzt werden.

Stecklinge


Quellen für den Text:
Radziewsky, Elke von:  Der Selbstversorgergarten. München: 2011.
Mayer, Joachim: Soforthelfer Küchenkräuter. Stuttgart: 2012.

Sexualkundeunterricht für Pflanzen (die Vermehrung)


Haben Pflanzen eigentlich Sex? Na klar! Können Pflanzen auch Babys kriegen? Na klar! Hat das was mit den Bienchen und Blümchen zu tun? Ja, aber nicht immer...

Die Frage der Pflanzenvermehrung stellt sich, wenn...

...man eine Pflanze verschenken möchte, man aber leider nur ein Exemplar besitzt.
...die Pflanzen einjährig sind und man genau diese Sorte im nächsten Jahr wieder kultivieren möchte.
...die Pflanze zu groß ist, um sie z.B. drinnen zu überwintern.
...man Geld sparen möchte.
...man seine Gärtnerfähigkeiten erweitern will und
...wenn aus den Blüten keine Früchte wachsen.


Für den Balkongärtner ist wichtig, welche Arten der Pflanzenvermehrung es gibt.






Generative Vermehrung

Pflanzen können sich wie Menschen vermehren: Die Eizelle der Frau wird vom Samen des Mannes befruchtet und im Bauch der Frau - dem Substrat- wächst das Baby heran (Menschen säen sich quasi selbst aus). Bei Pflanzen ist es... fast ... genauso: Es gibt ein- und zweigeschlecht-
liche Pflanzen. Bei den eingeschlechtlichen Pflanzen (z.B. Tomaten) sind beide Geschlechter in einer Blüte. Der weibliche Teil der Blüte wird von dem männlichen Teil befruchtet. Dabei helfen die Bienen. Bei den zweigeschlechtlichen Pflanzen (z.B. Zucchini) gibt es eine männliche und eine weibliche Blüte. Die Pollen der männlichen Blüte müssen zum Stempel der weiblichen Blüte. Dabei helfen auch die Bienen oder - wenn man sicher gehen will, dass auch eine Frucht daraus erwächst - ein Pinsel. Die Blüten bilden nach der Befruchtung eine Frucht mit Samen, der dann in die Erde -das Substrat- fällt und heranwächst. Dies ist die generative oder geschlechtliche Vermehrung. Pflanzen können das wie Menschen.

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Wichtige Themen für den Balkongärtner sind...

... die Wahl des Saatgutes
... die Aussat von Pflanzen
... das Sammeln von Saatgut
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Vegetative Vermehrung

Pflanzen können aber noch mehr. Man kann sie sogar klonen, ja wirklich. Dazu reißt man ihnen einen Arm aus, steckt ihn in die Erde und der Klon sprießt dann munter als eigenständiges Wesen auf dem Balkon weiter. Man kann sich auf diese Weise eine ganze Klonarmee von Pflanzen herstellen - lauter genetisch identische , stramm stehende Pflanzen in einer Reihe.
Das hört sich vielleicht gruselig, nach Frankenstein oder Science Fiction an, ist aber ein ganz natürlicher Vorgang, den man vegetative Vermehrung nennt.

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Wichtige Themen für den Balkongärtner sind...

... die Vermehrung durch Stecklinge.
... das Teilen von Pflanzen.
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Natürlich lassen sich Pflanzen auch kaufen und das ist in einem oder anderen Fall auch wirklich zu empfehlen ( siehe "Gekaufte Pflanzen oder Saatgut?")

Dienstag, 18. Juni 2013

Steckbrief Borretsch - auch Pflanzen haben Haare

Borretsch...komischer Name, oder? Erinnert irgendwie an eine russische Suppe, ist aber eine Pflanze. Gesät habe ich ihn, weil er wunderschöne Blüten tragen soll, die man essen kann.  Auffallend sind die extrem dicken Samen aus denen dann extrem dicke Stängel wachsen. Die Babyblätter sind zunächst samtig und weich und in genau diesem Zustand sollte man sie auch verzehren. Sie schmecken gurkig, säuerlich und - wie ich finde - ein bisschen nach Fisch. Wenn die Blätter größer werden, schmecken sie streng und sind wirklich nicht mehr zu empfehlen. Borretsch gehört zu den Raublattgewächsen (Boraginaceae) und deshalb werden aus den samtigen kleinen Borretschpflanzen große, behaarte Borstengewächse. Die Pflanzenstängel kann man kaum noch anfassen ohne gepiekst zu werden. Sie sehen dann aus wie behaarte Männerbeine in Grün.

Aussaat
Borretsch ist einjährig. Die Pflanze ist sehr keimfähig, weshalb man nicht zu viele aussäen sollte, da sie bis zu 80 cm hoch wird. JEDES Samenkorn hat bei mir gekeimt. Deshalb habe ich viele verschenkt ("Borretsch? Ja, nehm ich gern aber was ist das?"). Er ist ein Dunkelkeimer und wird mit einem Abstand von ca. 50 cm ausgesät. Dies ist auf dem Balkon nicht immer möglich und funktioniert erfahrungsgemäß mit einem Abstand von 15 cm. Engagierte Borretschfans stärken die engstehenden Pflanzen mit Brennesselsud gegen Blattläuse.

Standort
Da ich so viele Pflanzen hatte, konnte ich auch verschiedene Standorte ausprobieren. In der Sonne werden sie groß und kräftig, im Halbschatten und Schatten bleiben sie klein und mickrig und blühen nicht. Empfehlenswert ist ein tiefer Topf (mind. 20cm), der gut gegossen werden sollte.

Pflege
Die Pflanze ist sehr bodenständig. Versetzen kann man sie nur im jungen Zustand, denn sie lassen aufgrund ihrer tiefen Pfahlverwurzelung sonst die Köpfe hängen. Selbst im jungen Zustand führte das sehr vorsichtige Versetzen bei mir schon zu traurigen Pflanzen. Ansonsten ist Borretsch wirklich - bis auf das Gießen - anspruchslos.

Mischkultur
Borretsch sollte mit niedrigen Pflanzen zusammen gepflanzt werden, weil er große Pflanzen verdrängt. Spinat, Erdbeeren, Kohl, Salat und Kohlrabi sind gut. Bei mir steht er mit Lavendel und Glockenblume und verträgt sich gut mit ihr. Er bildet Saponine. Das ist eine schaumige, seifenartige Lösung, die zur Abwehr von Pilz- und Fremdorganismen zuständig ist. Diese stärken auch andere Pflanzen. Borretsch ist also eine verträgliche Pflanze.

Wissenswertes
Schon in der Antike wurde das Kraut gegen Melancholie und Depressionen eingesetzt, weshalb man Borretsch auch "Wohlgemutsblume" nennt. Die Herkunft des Namens ist umstritten. So könnte er vom keltischen Namen borra (Mut) stammen oder aus dem lateinischen borra (Gewebe aus rauer Wolle). Das Letztere finde ich besonders passend.

Borretsch ist eine typische Pflanze für Bauern- und Klostergärten. Wer also ein bisschen Bauern - und Klosterflair auf seinem Balkon vermisst und gleichzeitig Pflanzenhaarfetischist ist, sollte sich für diese nach Gurke und Fisch schmeckende Pflanze entscheiden.



Montag, 17. Juni 2013

Wildkräuter für den Balkonkasten

Vor dem Gartentor haben sich wilde Sorten Thymian, Storchenschnabel und Rittersporn ausgesät und empfangen die Gäste. Das Gartentor steht offen, Bienen summen mir entgegen und die Wiesenblumen leuchten schon von Weitem als ich in Hamburg Alsterdorf den Garten vom NABU (Naturschutzbund) betrete.

Heute ist Tag der offenen Gärten in Norddeutschland. Der Garten liegt zwischen zwei stark befahrenen Straßen, einer Güterzugtrasse und einer U-Bahntrecke. Man hört die Autos vorbeirasen und alle fünf Minuten rattert eine U-Bahn geschäftig zur nächsten Haltestelle. Es handelt sich - wenn man die Lage des Gartens bedenkt - nicht wirklich um ein idyllisches Stückchen Stadterde.

Ganz anders ist aber das, was die Menschen vom NABU daraus gemacht haben. Sie kultivieren nicht nur verschiedene Kräuter in einer Kräuterspirale, sondern haben im Eingangsbereich eine Wiese angelegt, auf der - mitten in der Stadt - ganz selbstverständlich Kornrade, Kornblume, Echter Frauenspiegel, Klatschmohn und Acker-Lichtnelke stehen. Diesen Anblick findet man sonst nur am Rande von großen Feldern auf dem Land und man vergisst, dass man sich mitten in der Stadt an einem Verkehrsknotenpunkt befindet. Es gibt einen Teich, ein Insektenhotel, eine Laube mit bepflanztem Dach, eine große Wildblumenwiese und noch vieles andere zu sehen. Natürlich - alles ganz nah an der Natur ohne künstlichen Dünger und mit viel Liebe angelegt. Nur wilde und einheimische Sorten gibt es dort zu sehen. Viele Schmetterlingsarten können hier Nektar tanken, Hummeln brummen von A nach B, Florfliegen bekommen einen Ort zum Ausruhen und auch Spinnen und Wespen sind willkommen. Ich als Mensch bin ebenfalls willkommen und bekomme prompt eine freundliche und humorvolle Gartenführung von Michael Kasch. Er erklärt mir welche Pflanzen auch für meinen Stadtbalkon geeignet sind, zeigt mir einen Beispielbalkonkasten und hilft mir bei der Auswahl der wilden Pflanzensorten.

Nun habe ich  Blutroten Storchschnabel, Zimbelkraut, Gamander-Ehrenpreis, Nesselblättrige Glockenblume und Frauenmantel (schon mal davon gehört?) im Schattenregal auf meinem Balkon stehen und bin gespannt, wie die sich entwickeln werden. Eine Saatmischung Ackerwildkräuter habe ich natürlich auch mitgenommen - für 5 Quadratmeter. Diesen Herbst werden sie in die Erde eingearbeitet und im nächsten Jahr blühen die "Nektartankstellen für Insekten" dann auch auf meinem Balkon.

Einen Besuch ist der Garten auf jeden Fall wert und zeigt eine alternative Art der Stadtgärtnerei. Es werden sogar Pflanzen ausgebuddelt, wenn man eine spezielle Sorte mit nach Hause nehmen möchte. Ich werde unbedingt wiederkommen.

Film über den NABU-Garten

links: Blutroter Storchschnabel, mitte: Weinraute, rechts: Ackerwildkräuterwiese


Freitag, 14. Juni 2013

Kartoffelupdate

Diese Knollen wachsen und wachsen und wachsen und...zwei Wochen nach der Pflanzung sieht man die ersten grünen Spitzen aus der Erde schauen. Drei Wochen danach gucken sie schon über den Rand der Pflanztasche, obwohl sie nur zur Hälfte mit Erde gefüllt ist. Wenn die so viele Knollen produzieren wie Blätter, dann werde ich dreimal satt. Ich werde mich jetzt aber nicht zu früh freuen... Mist, es klappt nicht (freu!). Nächstes Jahr pflanze ich noch früher und im Abstand von zwei Wochen drei solcher Säcke. Die kann man danach eh wieder zusammenfalten. Jetzt aber erst einmal anhäufeln, damit es auch was wird!

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Kartoffeln pflanzen
Wann kann ich endlich meine Kartoffeln ernten?
 

Donnerstag, 13. Juni 2013

Steckbrief Erbse

Erbsen (pisum sativum) sind nicht nur lecker, sondern auch
dekorativ. Sie verschönern mit ihren kleinen, zarten Ranken kahle Stadtbetonwände und erinnern mit ihren Schmetterlingsblüten an zarte Zaunwicken. Da Erbsen vertikal wachsen, d.h. je nach Sorte 0,5 bis 1,5m groß werden können, verbrauchen sie nicht viel Grundfläche auf dem Balkon. Ein ganzes Erbsengericht bekommt man durch die Anbaufläche auf dem Balkon wohl nicht zusammen, dafür kann man aber Salate verfeinern oder sie gleich an Ort und Stelle vernaschen. Von der Zuckererbse kann man sogar die Keimlinge essen. Wenn man also -aus Versehen oder mit Absicht - zu viele Zuckererbsen ausgesät hat, ist das Problem schnell gelöst.

Sorten
Besonders gut für die Anzucht auf dem Balkon eignen sich Zuckererbsen, da man sie mit Schale isst. Da das Pflücken von Zuckererbsen auf dem Feld sehr aufwändig ist, sind sie im Handel meist recht teuer. Ich habe für 100g kürzlich 2,99 Euro
bezahlt. Eine Tüte Erbsensamen kostet viel weniger und die Aussaat bereitet Gärtnerfreude.

Palerbsen (Pisum sativum L. convar. sativum), auch Schalerbsen genannt, gehören zu einer Erbsensorte, die man getrocknet im Supermarkt bekommt. Diese Erbsen werden geschält, d.h. nicht wie die Zuckererbse mit Schale gegessen. Nach dem Schälen bleiben kleine Erbsenkörner, die man trocknet und dann kocht. Wenn Palerbsen zu groß werden, können sie mehlig schmecken.

Markerbsen (Pisum sativum L. convar. medullare Alef.) werden schrumpelig, wenn sie reif sind. Diese Sorte ist süß und wird für Konserven oder für den Tiefkühlschrank angebaut. Wenn man also im Supermarkt eine Tiefkühlerbse kauft, ist das meistens eine Markerbse. Auch sie wird geschält.

Jeder Artikel der Bücher, die ich gelesen habe, empfielt Zuckererbsen für den Balkon und ich muss ihnen recht geben. Ich bin ganz begeistert von meiner Zuckererbse. Während die Radieschen am gleichen Ort nichts geworden sind die Zuckererbse auch im Fastschatten gut und schnell gewachsen und zeigt sich recht anspruchslos.

Aussaat
Ausgesät werden die Palerbse ab Anfang März, die Mark- und Zuckererbsen ab Anfang April mit einem Reihenabstand von 20 Zentimetern. Man kann aber auch zwei oder drei Erbsen zusammenpflanzen, so dass drei Erbsen dieselbe Rankhilfe benutzen, sie schön voll aussehen und einen guten Ertrag bringen.

Standort
Auch schattig können Erbsen wachsen, was meine Erbse dieses Jahr gezeigt hat. Halbschattig bis sonnig ist allerdings ideal.
 

Pflege
Erbsen sind Schwachzehrer. In ganz normaler Blumenerde oder in Anzuchterde gedeihen sie gut. Außerdem brauche sie Hilfe beim Klettern. Mit Bambusstäben habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Sie sind zu glatt, so dass sich die Erbse nicht festhalten kann. Weidenstöcker, Bänder, Balkongeländer oder Kaninchendraht sollen sich besser eignen.

Mischkultur
Erbsen vertragen sich nicht mit anderen Schmetterlingsblütlern (Wicken, Bohnen). Auch mit Kartoffeln, Tomaten und Knoblauch sollte man sie nicht pflanzen. Dafür mögen sie aber Radieschen, Rettiche und Salat in ihrer Nähe.


Wissenswertes
Erbsen reichern den Boden an. Sie verbünden sich mit Knöllchenbakterien, die Stickstoff aus der Luft sammeln können. Dieser Stickstoff, den man dem Boden ja meist mit Dünger zuführt, kommt dann den nachfolgenden Pflanzen zugute. Also: Die Erde wird sozusagen durch die Erbsen gedüngt. Sehr praktisch also diese grüne Schotenpfanze.



 Erbse Anfang April, Mitte Mai und Anfang Juni