Samstag, 10. Mai 2014

Steckbrief Thymian - Pastaaufwerter und Tomatenfreund

Der echte Thymian (thymus vulgaris)
Es gibt unendlich viele Thymiansorten. Allein das Stichwort Thymian bei der Google-Bildersuche bringt so viele verschiedene Ergebnisse hervor, dass man den Thymianwald vor lauter Thymianpflanzen nicht mehr sieht. Deshalb hier ein Steckbrief über dieses leckere Tomatensoßenkraut mit der großen Frage am Ende: Welche Thymiansorte soll es denn nun sein, bitteschön?


 Aussaat
Thymiansamen sind sehr klein und dazu auch noch bräunlich wie Pflanzerde. Wenn man sie einfach so aus der Tüte schüttet, sind sie schnell weg (der Ketchupflascheneffekt) und man kann sie auf der Erde nicht mehr sehen. Deshalb: Entweder mit Sand mischen, bevor gesät wird oder SEHR vorsichtig schütten. So verteilen sich die Samen besser auf der Erde. Thymian ist ein Lichtkeimer, deshalb sollte man die Samen nicht mit Erde bedecken. Ausgesät wird im Frühjahr. Die vegetative Vermehrung, die Vermehrung durch Stecklinge, erfolgt im Frühsommer. Er wächst langsam und braucht meist lange, um zu keimen. Für Ungeduldige empfiehlt sich das Kaufen von jungen Planzen.






Thymian als Ziergewächs
Standort und Pflege
Da Thymian aus Südeuropa und Asien stammt, eigentlich an trockenen Hängen und in Heidelandschaften steht, braucht er Sonne und wenig Wasser. Besonders gut eignet er sich auch für Mauerfugen oder Tröge. Deshalb fühlt er sich auch auf kleinstem Raum auf dem sonnigen Balkon willkommen. Besonders pflegeintensiv hat er sich bei mir aber bisher nicht gezeigt, weshalb ich ihm hiermit einen Orden für Anspruchslosigkeit verleihe. Wenn man es aber so richtig gut machen möchte, dann streut man ihm ein bisschen Kalk, z.B. zerbrochene Eierschale, Kies und Sand in den Boden. Wenn man abgeblühte Sprossen bis ins alte Holz zurückschneidet, dankt er es mit einem rasigen, polsterartigen, gesunden Wuchs.

Mischkultur
Thymian verträgt sich schlecht mit Basilikum. Ich habe ihn bisher aus Platzgründen in Kombination mit Tomaten in einem großen Topf gepflanzt. Dort wirkt er gegen die Verdunstung im Hochsommer. Eigentlich mag er es aber nicht feucht und nährstoffreich wie die Tomate, sondern trocken, sandig und nährstoffarm. Alle Pflanzen, die ähnliche Vorlieben haben sind ideal als Nachbarn. Alle anderen Pflanzen, die nicht diese Vorlieben haben, toleriert der Thymian aber solange er in der Sonne steht - die Kombination mit der Tomate ist für den Thymian zwar nicht optimal aber in Ordnung.

Wissenswertes
Man munkelt, dass schon die Ägypter mit dieser Pflanze ihre Mumien einbalsamierten. Mönche schwörten schon im 11. Jahrhundert auf die heilsame Wirkung des Krautes. Eine typische Pflanze also für den Klostergarten oder den Klosterbalkon. Im Grunde genommen hilft der echte Thymian (thymus vulgaris) gegen alles, besonders gut ist er aber für den menschlichen Atemapparat. Wer es also mag, macht sich bei der nächsten Erkältung einen Thymiantee mit Honig (1 Teelöffel Kraut auf 1/4 l Wasser, 5 Min. ziehen lassen, Honig einrühren). Allemal besser als Tabletten, oder?


Thymian ist ein guter Verdunstungsschutz für Paprika und Tomaten im Sommer.

Sorten
Hier fängt der Spaß an. Ich denke nicht, dass ich alle aufzählen kann, denn die Thymiansorten werden in bestimmte Sektionen und Subsektionen aufgeteilt, z.B. Micantes oder Pseudothymbra. Sektionen gibt es ca. 8 Stück, die teilweise wiederum 6 Subsektionen mit teilweise 10 Sorten umfassen. Hier ist die Frage, welche Sorten für Balkon oder Terasse besonders interessant sind. Alle Thymiansorten werde ich hier nicht aufzählen können.
  1. Der echte Thymian, auch Gartenthymian genannt (thymus vulgaris) gilt als die aromatischste Art. Ihn gibt es auch als Silberblatt.
  2. Zitronentyhmian (Thymus ×citriodorus) ist wohl die bekannteste Variante des Thymians. Hierbei handelt es sich um eine Hybride, die je nach Unterart hellgrüne, gelbgrüne oder silbergrüne Blätter besitzt. Das Aussehen ist aber nicht das charakteristischste, sondern der ausgeprägte Zitronenduft. Er eignet sich besonders gut für Tees oder für zitronige Salatsoßen.
  3. Orangentyhmian (Thymus fragrantissimus) hat silbergraue Blätter und hat ein fruchtiges Arome.
  4. Kaskadenthymian (Thymus logicaulis) liefert besonders schöne Blütenstände und wird häufig als Zierpflanze genutzt.
  5. Kümmeltyhmian (Thymus herba-barona) ist herber und erdiger im Aroma und eignet sich wohl besonders für Fleischgerichten.
  6. Quendel oder Arzneityhmian (Thymus pulegioides) wird besonders gern gegen Hustenbeschwerden eingesetzt.
  7. Sandthymian (Thymus serpyllum) ist ein winterharter (!!!) Bodendecker.




Ich selbst habe mich für den echten Thymian und den Zitronenthymian entschieden, denn beide sind im Aroma doch recht unterschiedlich und lassen sich deshalb vielfältig einsetzen. Im letzten Jahr bedeckten die Paprikapflanzen dazu noch zwei Ziersorten, die wunderschön geblüht haben, aber leider den Winter nicht überlebt haben. Den Orangen- und Kümmelthymian möchte ich auch noch gerne ausprobieren.








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Dienstag, 6. Mai 2014

Gemüse im Schatten anbauen - geht das?

Hast du schon einmal versucht, Gemüse im Schatten anzubauen? Naja, so richtig funktioniert es nicht, oder? Manche Tomate bleibt klein, einige Gemüse bilden gar keine Früchte aus oder sie fallen Schimmel oder Pilzen zum Opfer. Viele Gemüse- und Obstsorten sowie Kräuter lieben die Sonne oder den Halbschatten. Im Schatten werden sie zu Vampiren, leblos eben...
Trotzdem! Es muss doch Gemüsesorten geben, die es auch mit dem Schatten aufnehmen, oder?

Schatten ist nicht gleich Schatten. Es gibt den Schatten unter Bäumen, der je nach Blätterdach des Baumes halbschattig bis komplett schattig ist. Ganz ohne Licht kommt keine Pflanze aus - das ist klar.

Schatten - bis ca. 3 Stunden Sonne am Tag
Halbschatten - ca. 3-6 Stunden Sonne
Sonniger Standort - ab ca. 6 Stunden Sonne am Tag

Dem Schlagschatten, z.B. von Häusern, sind wir besonders auf den Balkonen in den Städten ausgesetzt. Trotzdem gibt es einige Arten, die auch hier gedeihen - ja wirklich!




Eine Bauernfaustregel, die ich sehr logisch finde und mir bisher immer geholfen hat, besagt, dass man Pflanzen auch im angrenzenden Helligkeitsbereich pflanzen kann, z.B. wächst eine Sonnenpflanze auch im Halbschatten ganz passabel und eine Pflanze für den Halbschatten gedeiht auch im Schatten usw.
Pflanzen sind anpassungsfähig, d.h. sie lieben bestimmte Umweltfaktoren, die wir ihnen idealerweise geben (Nährstoffdichte und Art der Erde, Helligkeit, Wasserbedarf usw.). Trotzdem besitzen viele Pflanzen eine Toleranzbreite. Ideal ist halt Vieles nicht, aber man kann sich damit arrangieren - Anpassung ist angesagt!


von links nach rechts: Radieschensaat, Spinat, krause Petersilie (diese mickert im Gegensatz zu den anderen beiden) - schon drei Mal beerntet.






Natürlich existieren auch unter den Pflanzen die ganz Anspruchsvollen, die Diven, wie z.B. Gurken oder Orchideen. Diese leben nicht gerne unter anderen Bedingungen. Ein kleines, allzu kaltes Lüftchen und die Gurke lässt theatralisch ihre aparten Blätterchen hängen. Wenn sie könnte, würde sie noch eine zarte Arie des Sterbens singen! Diese Pflanzendiven sind eine Herausforderung für den fortgeschrittenen Gärtner. Im Gegensatz zu ihnen gibt es auch supertolerante, kernige Überlebenskünstler-Guerilla-Pflanzen, die sich wunderbar an alle möglichen Umweltbedingungen anpassen. Der Löwenzahn oder die Birken sind solche supertoleranten Pflanzen- wir erinnern uns an den Vorspann der Kindersendung "Löwenzahn" oder an Birken, die einfach in jeder Fugen- und Gebäuderitze wachsen.

Pflanzen, die zu wenig Licht bekommen, vergeilen, d.h. sie werden lang und dünn und schießen meist ins Kraut - das ist doch perfekt für Kräuter und Salat, oder nicht?

Dieses Jahr habe ich einige Salat- und Kräutersorten auf der Nordseite gezogen und es gibt tatsächlich welche, die sich dort wohlfühlen und ganz gut wachsen. Die Kästen bekommen ca. 2 Stunden Sonne am Tag und sind Wind und Wetter stark ausgesetzt, d.h. sie sind im Frühjahr besonders feucht und besonders windanfällig.

links Spinat "Lazio" , rechts Pflücksalat "Green Rapids", hinten rechts kleine Erbsenkeime

 

 Hier meine persönlichen Top Five der Nutzpflanzen im Schatten auf der Nordseite: 

  1. Spinat - Auf den Saatpackungen steht häufig, dass er die volle Sonne benötigt. Er fühlt sich aber auch im Schatten wohl. Ich nutze ihn als Babyleafsalat und säe die Sorte "Lazio", die eine Resistenz gegen den falschen Mehltau besitzt (der tritt besonders auf, wenn es feucht ist). Geerntet werden kann jede Woche, er hat ca. 6 Wochen gebraucht, um nun so groß zu sein, wie auf dem Foto.
  2. Kresse - wächst immer! Ich kenne wenige Pflanzen, die frisch so gut zu Kräuterquark und Salat schmecken und doch so flexibel sind. Sie wächst auch auf Watte - was soll man dazu noch sagen? Wählerisch ist wirklich etwas Anderes!
  3. Radieschensaat - Die Blätter von Radieschen schmecken scharf und knackig. Man sät sie eng beieinander und erntet die jungen, kleinen Blätter. Die großen sind zu hart und schmecken eher bitter.
  4. Schnittlauch - Auch dieser gehört zu den Kräutern, denen Schatten nicht viel ausmacht. Aber - am besten ist es wirklich ihn selber zu säen. Die Pflanzen werden dann robuster und widerstandsfähiger als die licht- und wärmeverwöhnten Gewächshausanzuchten.
  5. Erbsensaat - Auch Erbsen sind für den Schatten ausgelegt. Zwar erntet man im Schatten nicht viele Hülsen, kann aber die Blätter als Salatzugabe nutzen. 

Was gar nicht funktioniert und wovon man die Finger lassen sollte:
  • Sämtliche, sonnenliebende Kräuter (z.B. Basilikum, Thymian, Rosmarin), obwohl es schon auf einen Test ankommen würde, ob z.B. Oregano oder Zitronenmelisse nicht auch im Schatten gedeihen. Beide sind sehr wüchsig und Oregano ist häufig sehr widerstandsfähig.
  • Paprika, Tomaten, Zucchini, Gurken, Radieschen und sonstiges Gemüse, das sehr viel Sonne braucht.
links mein absoluter Schattenfavorit Spinat und rechts der fast blühende Schnittlauch

Am Ende dieses Artikels möchte ich Euch zwei Blogs empfehlen, die sich v.a. mit dem Schattengärtnern befassen und die mir schon das ein oder andere Mal weitergeholfen und mich inspiriert haben:

Nordwestbalkon

Hinterhofgarten

Gibt es noch Nutzpflanzen, mit denen ihr gute Erfahrungen im Schatten gemacht habt? Ich würde mich sehr über weitere Tipps freuen.