Mittwoch, 1. Juni 2016

Veredelte Tomaten - aristokratische Frankensteinpflanzen

"Veredelte Tomaten...wie? Edel? Wertvoll? Vergoldet oder wie? Seltsam...was soll das sein?"
dachte ich, als ich dieses Jahr im Gartencenter vor kleinen grünen Tomatenpflanzen stand, auf dessen Etikett "Geschmacks-Tomate, Sportivo, veredelt" stand.
Ich beschloss, diese edle, vornehme, adlige Tomate einfach mal mitzunehmen und ihr ein zu Hause zu geben. Da kann man ja eigentlich nichts falsch machen. Wer hat nicht gerne etwas Veredeltes zu Hause stehen. "Hm..", dachte ich "ich hoffe nur, dass das neue zu Hause nicht unter ihrer Würde ist".


Ich stellte sie auf meinen Balkon und ließ sie wachsen. Die andere, nicht aristokratische Tomate zog nicht weit von ihr daneben ein und sie wuchsen um die Wette. Veredelt gegen ottonormal - ein interessanter Wettkampf.


Veredeln - so sagte es Wikipedia - ist eine Pflanzentransplantation. Man setzt eine gut tragende Pflanze auf eine wiederstandsfähige Wurzel. Auch bei Rosen wird das häufig gemacht.


Im Grunde genommen ist also meine veredelte Tomate eine Art Tomatenfrankenstein? Naja...was es so alles gibt auf der Welt. Ich bin ja immer wieder erstaunt über die Welt der Pflanzen und was man so mit ihnen machen kann. Während man Würmer an einer bestimmten Stelle teilen kann und sie wachsen weiter sind Pflanzen in der Lage mit den Wurzeln anderer Pflanzen zu leben - und nicht nur das - besser zu leben!  Sie sollen widerstandsfähiger sein und ertragreicher. Seltsam ist das schon, denn ich selber kann mir ja nicht einfach andere Beine anleimen, weil mir meine nicht gefallen. Was soll man dazu sagen.


Aber zurück zu meiner veredelten Tomate auf dem Balkon: Mittlerweile bin ich doch recht erstaunt welche grünen Kräfte die veredelte Tomate bisher freigesetzt hat. Sie ist viel stärker und auch ihr Grün ist um einiges satter als das der normalen Tomatenpflanze. Außerdem zeigen sich bei ihr die ersten Blütenknospen. Also, bisher liegt die veredelte Tomate vorn. Aber das wichtigste kommt wohl noch - die Tomaten! Ob die wohl doch golden werden?

Sonntag, 15. Mai 2016

Mach doch mal...Balkon!



Schnell, schnell! Zum nächsten Termin, oh, das Handy klingelt, guten Tag, und die E-Mails von gestern, das muss ich auch noch. Oh, ach ja, das hatte ich ganz vergessen, das ist ja auch noch dran. Ich sollte...ich muss...und morgen steht das und das und das an. Aber dafür muss ich noch das machen. Aber gleich erst mal das, bevor das...

In einer Zeit, in der man von einem zum anderen Termin hetzt, in der das Telefon nicht still steht, man zwischendurch noch schnell die E-Mails von gestern checkt, in der man lauter Listen mit sich im Kopf herumträgt, was man noch alles erledigen soll, da ist es gut, wenn es mal langsam geht, wenn man die Zeitlupe einschaltet, sich mal ausruht, zwischendurch Luft schnappt und einfach mal ein paar Löcher in die Welt guckt.



Für mich geht das wunderbar auf dem Balkon. Ich liebe es, dass Pflanzen so langsam wachsen. Sie lassen sich Zeit. Sie wachsen so schnell, wie sie es eben tun. Man kann dabei zuschauen, Tag für Tag. Sie erfordern Geduld. Jede Menge. Denn was man heute sät, wird erst in zwei, drei Monaten etwas und das muss man erst einmal aushalten, wenn man gewohnt ist, dass alles sonst schnell schnell schnell geht. Pflanzen machen es genau richtig und ihnen dabei zu zu sehen, wie sie es so richtig machen, gibt mir immer wieder Kraft den nächsten Tag alles zu erledigen, was eben so erledigt werden muss.